Dungeons & Dragons

Das D20 System

Im Gegensatz zu vielen anderen Rollenspielsystemen, wurde das D20-System als solches nicht spontan von jemandem entwickelt, der einen Weg suchte, seine Vorstellungen von einem guten Rollenspiel- und Würfelsystem umzusetzen.
Es verbirgt sich vielmehr eine etwas längere, aber interessante Geschichte dahinter. Daher nicht ungeduldig werden, wenn es vielleicht zunächst so aussieht als würde ich abschweifen. Ich werde so schnell wie möglich auf das eigentliche System zurückkommen :)

Wie kam es zu D20 ?
Wie komme ich an die D20-Regeln ?
Geht das auch kürzer ?

Wie kam es zu D20 ?

Viele Rollenspieler kennen die amerikanische Firma Wizards of the Coast, die einige sehr bekannte Rollenspielsysteme bzw. Rollenspielbücher entwickelt und publiziert. Welche dies genau sind, könnt ihr auf deren Internetseite erfahren.
Diese Rollenspiele basieren auf dem gleichen Würfelsystem, welches dem namensgebendem 20-seitigem Würfel eine große Bedeutung zukommen lässt.
Nun muss man aber wissen, dass zumindest das amerikanische Rechtssystem Spielregeln von Spielen vor Nutzung anderer schützt. Eigentlich ein Vorteil für Wizards of the Coast, möchte man denken. Jedoch haben deren Markt- und Marketingexperten herausgefunden, dass es vorteilhaft wäre, wenn auch andere zu ihrem System kompatible Rollenspiele und -spielwelten publizieren könnten.

Aus rechtlichen Gründen war es somit notwendig die Teile der Rollenspielregeln, die jedem frei zur Verfügung stehen sollten, unter einem eigenen Systemnamen zusammen zu fassen, D20 eben.
Dazu kam ein weiteres Dokument, die OGL (Open Game License), welches einfach nur als rechtliche Grundlage festlegt, dass Rollenspielregeln in dessen Rahmen veröffentlicht und kostenfrei weitergenutzt werden können (in dem Fall das D20 System), trotz allgemeinem amerikanischem Recht.
Dieses Rechtskonstrukt erlaubt nun nicht nur anderen Firmen zu dem Rollenspielsystem von Wizards of the Coast kompatible Produkte auf den Markt zu bringen, sondern vor allem auch privaten Rollenspielern ihre eigenen Ideen in Rahmen dieses Systems zu veröffentlichen, wie etwa auf meiner Internetseite geschehen.

Allerdings handelt Wizards of the Coast nicht uneigennützig. Das D20 System kann zwar kostenlos von jedem heruntergeladen und verwendet werden, enthält aber nicht das komplette Rollenspielsystem, welches Wizards of the Coast in seinen Büchern veröffentlicht.
Die wichtigsten Punkte, die fehlen, sind Regeln zur Charaktererschaffung, zum Stufenaufstieg und zur Erfahrungspunktevergabe.
Damit unterscheidet sich der Inhalt des D20 Systems, welches also kein wirklich komplettes Rollenspielsystem darstellt u.a. von den kommerziellen Rollenspielveröffentlichungen von Wizard of the Coast.
Es ist also erforderlich, wie auf meiner Homepage in Englisch angegeben, sich dennoch die offiziellen Bücher von Wizards of the Coast zu kaufen, möchte man ein Rollenspiel nach dem D20 System spielen.

Wie komme ich an die D20-Regeln ?

Wie schon erwähnt steht das D20 System kostenlos im Internet zum download auf der offiziellen Internetseite von Wizards of the Coast zur Verfügung und zwar in Form des
System Reference Document.
Leider nur in Englisch sind hier sämtliche im Rahmen der OGL frei verfügbare Regeln, Monster, Zaubersprüche etc. zusammengestellt und als reines Textdokument im rtf-Format verfügbar.
Eine übersichtlichere Webseitenversion ist hier zu finden.
Meiner Meinung nach stellt dies eine hervorragende und leider noch recht unbekannte Möglichkeit dar, sich in die Regeln einzulesen und so evtl. eine Kaufentscheidung für die illustrierten Bücher zu treffen, die bis auf die genannten Ausnahmen fast keine zusätzlichen Informationen enthalten. Auch werden hier die von mir verwendeten Abkürzungen und Werte fast vollständig erklärt.
Folgende Abschnitte sind für die einführende Lektüre besonders zu empfehlen, da sie die grundsätzlichen Spielmechanismen erklären:

Basics and Ability Scores (57k RTF)
Alignment and Description (57k RTF)
Races (17k RTF)
Character Classes I (343k RTF)
Character Classes II (327k RTF)
Skills I (181k RTF)
Skills II (183k RTF)
Feats (168k RTF)
Equipment (475k RTF)
Combat I (Basics) (128k RTF)
Combat II (Movement, Modifiers, and Special Actions) (149k RTF)
Magic Overview (90k RTF)
Carrying, Movement, and Exploration (206k RTF)

Folgende Abschnitte sind speziell zum Verständnis meiner Monsterbeschreibungen zu empfehlen, allerdings mit der Voraussetzungen ein kommerzielles Grundregelwerk oder die obigen Texte gelesen zu haben:

Monsters (Intro-A) (311k RTF)
Special Abilities and Conditions (146k RTF)

Der folgende Abschnitt berichtet grundsätzliches über magische Gegenstände, ihre Aktivierung und Herstellung:

Magic Items I (Basics and Creation) (169k RTF)

Geht das auch kürzer ?

Vermutlich wollten sich viele von euch nicht erst durch die kompletten Texte lesen, sondern nur einen grundsätzlichen Eindruck des Systems erhalten. Deshalb werde ich im folgenden einen kurzen Überblick über die wichtigsten Systemmerkmale geben und meine persönlichen Eindrücke erzählen.

Um D20 zu spielen benötigt ihr verschiedene Arten von Würfeln; die mit " * " markierten am Besten in zweifacher Ausführung:
einen 4-seitigen Würfel*, einen 6-seitigen Würfel, einen 8-seitigen Würfel, einen 10-seitigen Würfel und evtl. einen Prozentwürfel, einen 12-seitigen Würfel und einen 20-seitigen Würfel*, wobei die meisten Würfe mit dem 20-seitigen Würfel durchgeführt werden und die anderen Würfel im Spiel hauptsächlich zur Schadenshöhenbestimmung verwendet werden.

Das Charakterblatt ist relativ knapp, passt im Orginal auf zwei Din A4 Seiten und ist nur bei magiebegabten Charakteren etwas länger. Auch die Charaktererschaffung geht vergleichsweise schnell vonstatten.
Es gibt viele Möglichkeiten zur individuellen Charakterausgestaltung, jedoch hauptsächlich bezogen auf bestimmte Spielwerte und weniger bezüglich in Spielwerten festgelegten Charakterzügen, wie bei einigen anderen Rollenspielen der Fall.
Die einfache Charaktererschaffung ermöglicht gerade für Rollenspieleinsteiger einen leichten Start ins Abenteuer.

Auch Würfe innerhalb des Spiels sind in den meisten Fällen mit wenig Rechenarbeit verbunden. Nur höherstufige Charaktere müssen mehr Additionsarbeit leisten. Dann ist dies aber mit viel Spaß verbunden, wenn der Würfelbecher zum eigenen Vorteil gefüllt wird.
Dass die Automatismen der Proben sehr einheitlich sind, macht es für den Spieler leicht sich auf das Rollenspielgeschehen und weniger auf das Würfeln zu konzentrieren.

Das D20 System ist eindeutig für die typische Rollenspielerheldengruppe ausgelegt, wobei die Helden durchaus auch böser Gesinnung sein können. Hier liegt der Schwerpunkt der Erläuterungen in den Spielregeln. Einen Bauer zu spielen ist zwar theoretisch möglich, an sich aber nicht vorgesehen. Jedoch gibt es auch für außergewöhnliche oder abenteureruntypische Aktionen Regeln, die dem Meister individuelle Entscheidungsgewalt lassen.

Man kann D20 als reines Hack & Slay spielen, denn gerade die unglaubliche Fülle an verschiedensten Monstern animiert dazu.
Es ist allerdings genauso gut möglich ausgefeilte Charaktere zu erschaffen und viel Interaktion innerhalb und außerhalb der Gruppe zu haben.
Die zahlreichen unterschiedlichen fremdartigen Kulturen können so sogar einen besonderen Reiz in der rollenspieltechnischen Ausgestaltung und Darstellung seitens des Meisters bedeuten.
Natürlich kann ein Abenteuer aber auch in einer typischen mittelalterlichen Menschenstadt spielen, wo die Spieler die Diebesgilde infiltrieren oder die üblen Machenschaften des Stadtoberhauptes aufklären müssen.
Wie bei den meisten Rollenspielen hängt dies von den Vorlieben der Gruppe ab.

Der Kampf ist rundenbasiert. Für den Meister ist es relativ einfach den zeitlichen Ablauf des Kampfgeschehens zu verfolgen. Wenn jeder Spieler die Regeln beherrscht, sorgt eine hohe strategische Komponente für interessante und spannende Kämpfe.

D20 allein beinhaltet keine Spielwelt, im Gegensatz zu beispielsweise der Vielzahl offizieller Veröffentlichungen von Wizards of the Coast.
Generell ist eher ein High-Fantasy-Setting mit Magiern, Drachen und magischen Artefakten vorgesehen.
Wiederum liegt die Entscheidung beim Meister und der Gruppe, denn grundsätzlich ist jede Spielwelt realisierbar.

D20 ist das ideale System für Meister, die lieber in ihrer eigenen Welt spielen und sich nicht durch vorgegebene Weltbeschreibungen einschränken lassen wollen. Aber auch viele der bekanntesten Fantasywelten sind im Rahmen des D20 Systems verfasst worden und sind neben unzähligen Zusatzbüchern, die keineswegs nur von Wizards of the Coast herausgebracht wurden, im Handel zu erwerben.
Wer gerne einmal auf einem Greifen reiten, gegen einen riesigen Frostwurm antreten oder uralte vergessene magische Labyrinthe erkunden will, sollte es mit dem D20 System versuchen.


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