Privates

Ein Tag an der Uni

Schild vor der tiermedizinischen Fakultät Es ist 5:30 Uhr. Mein Wecker gibt, wie fast jeden Morgen, eines der schlimmsten Geräusche von sich, die ich kenne.
Einigermaßen zügig, aber sehr unwillig, verlasse ich mein Bett. Im Bad habe ich meine Augen hoffentlich inzwischen genug geöffnet, um die üblichen Morgenaktivitäten möglichst unfallfrei und ordentlich hinter mich bringen zu können.
Wenn nicht schon am Abend zuvor geschehen, werfe ich noch die letzten Kleinigkeiten in meinen Rucksack und begebe mich zum Frühstück.
Es folgen 20 Minuten Entspannung, die ich mit Essen und häufig auch ein wenig Zeitungslesen verbringe.
Danach geht's zum Bus. Weil ich meinen Aufbruch gerne hinauszögere, sieht man mich eigentlich immer im Laufschritt zur Haltestelle hasten. Verpasst habe ich den Bus aber noch nie.
In Oberhausen muss ich umsteigen. Von da an geht es nur noch mit dem Zug weiter. Im Winter ist es klirrend kalt auf dem Bahndamm, der sich ungeschützt in eine Windschneise erhebt. Ich kann es deswegen kaum erwarten, wenn die Temperaturen wieder steigen.

Gleise am Augsburger Hauptbahnhof

Ob mit Zug oder Bus, letztendlich ist das Ziel immer der Augsburger Hauptbahnhof. Ab da wird der Zug voll bis auf den letzten Platz, teilweise auch Stehplatz.
Wenn ich nicht so früh fahre und die Schülermassen die Pendlermenge ergänzen, kann man nur hoffen sich unfallfrei durch die entgegenkommende Masse in der Unterführung zu den Gleisen hindurchschieben zu können.

Über Hochzoll und Kissing wird der Zug immer voller. Steigt man in Mering zu, kann man froh sein noch irgendwo einen Sitzplatz zu erhalten. Muss ich erst später in der Uni sein, fahre ich deshalb mit dem IC. Er ist leerer und fährt bis Pasing durch.
Meist habe ich schon in Augsburg angefangen in meinem Rucksack zu kramen und Unterlagen herauszuholen, aus denen ich lernen will. Jetzt ist es sehr vorteilhaft in einer ruhigen Umgebung zu sitzen, also möglichst keine Kinder in der Nähe oder Leute, die sich laut und viel unterhalten.
Ich glaube, inzwischen habe ich ein gewisses Geschick darin entwickelt, mir den richtigen, ungestörten Platz zu suchen.

Bahnhofshalle Münchner Hauptbahnhof U-Bahnsteig der Münchner U-Bahn

Nach einer lerntechnisch mehr oder weniger erfolgreichen Bahnfahrt, komme ich dann im Münchner Hauptbahnhof an.
Nun gilt es quer über den Bahnhof zu hasten, um die nächste U-Bahn zu erwischen. Auf einen U-Bahn-Plan schaue ich nie, weil die U-Bahnen so regelmäßig fahren, dass es sich nicht lohnen würde. Andererseits wäre es auch ärgerlich eine U-Bahn knapp zu verpassen, nur weil ich mich nicht beeilt habe. Dies führt zu meinem ständigen Eiltempo, welches ich auch beim Umsteigen auf die Linie zur Uni beibehalte.
Sich in der U-Bahn zu setzen, würde sich ebenfalls nicht lohnen und ist vor allem zur Stoßzeit in der Früh überhaupt nicht möglich, wenn man sich sardinenähnlich eingeklemmt kaum bewegen kann und Angst haben muss, dass man rechtzeitig an der entsprechenden Haltestelle aussteigen kann, weil so viele Leute die Tür versperren.
Dass man auch aus- und wieder einsteigen sollte, wenn man nicht raus will, um die hinteren Leute aussteigen zu lassen, scheint sich noch nicht bis zu jedem durchgesprochen zu haben.

Eingang zur tiermedizinischen Fakultät der LMU

Nach einem kurzen Weg von der Unihaltestelle zur Fakultät bin ich endlich angekommen. Meist bleibt noch ein wenig Zeit Freunde zu treffen und kurz wichtige und unwichtigere Informationen auszutauschen.
Aber je nach Vorlesung sollte ich schon frühzeitig für einen Platz im Vorlesungssaal sorgen.

Anatomiegebäude der tiermedizinischen Fakultät der LMU

Im ersten Semester gibt es eigentlich fast nur zwei Gebäude bzw. Hörsäle, in denen man sich aufhält. Eines davon ist die Anatomie. Da Anatomie zu den wichtigsten Fächern zählt, ist die Vorlesung immer sehr gut besucht, was anfangs dazu führte, dass viele Studenten die Treppen und den Raum vor den Sitzen mitbenutzen mussten. Auch andere Fächer litten an Platznot in den Vorlesungsräumen. Im Laufe des Semesters reduzierte sich sich dieses Problem in den meisten Fächern allerdings auf ein erträgliches Maß und teilweise darüber hinaus ;)

Eingang Anatomiegebäude der tiermedizinischen Fakultät der LMU

Nach jeder 45 Minuten langen Vorlesung gibt es natürlich auch eine Pause, die entweder zum Rauchen (fällt für mich als Nichtraucherin weg), zum Toilettengang oder zum Essen genutzt wird. Eine Mittagspause ist im Stundenplan nicht vorgesehen. In der Mensa war ich deshalb noch nie.
Aber mit meinem obligatorischen Fruchtsalat, den zwei Käsebroten und dem Apfel, den ich meist erst im Zug verspeise, bin ich bisher sehr gut zurechtgekommen.

Neben den vielen Vorlesungen sind auch praktischere Unterrichtsstunden eingebunden. Da gibt es beispielsweise das Präparieren in Anatomie. Dafür suche ich zunächst in einem ziemlich langen Gang meinen Spind auf, in dem wir jeweils zu zweit unseren weißen Kittel, das Präparierbesteck und Latexhandschuhe aufbewahren.
Der Geruch der Konservierungsmittel und Präparate im Präpariersaal ist gewöhnungsbedürftig. Nach zwei oder drei Anatomietestaten, die in selbigem abgehalten werden, überwiegt bei mir aber eindeutig die psychische Komponente, die diesen Raum nicht gerade zu meinen Lieblingsplätzen in den Fakultätsgebäuden werden lässt.

Anatomiebesteck neben Hundeschädel

Zu sechst dürfen wir uns dann an einem zum Lernstoff passenden Präparat versuchen. Mehr oder weniger erfolgreich legen wir die wichtigen Strukturen frei und erkennen meist zu spät, dass da doch noch was war, was wir eigentlich nicht hätten wegschneiden sollen oder wir etwas hätten schon längst wegschneiden können, weil es die Sicht auf etwas Wichtigeres verdeckt.
Hilfestellung leisten uns Professoren oder anderweitig angestellte Fachkräfte.

An einigen Tagen muss ich mit dem Semesterpulk zu anderen Gebäuden wandern. Die Zoologie ist ein solches. Eigentlich gibt es hierzu nicht sonderlich viel zu sagen. Die Vorlesung ist so stoffreich wie in fast allen Fächern.
Nach einer Doppelstunde kapituliert mein Gehirn meist in Form von Kopfschmerzen. Ob bzw. wie viel man von der Stofffülle behält, hängt sowohl vom eigenen Lernstil als auch vom jeweiligen Professor ab.

Andererseits empfinde ich die Vorlesungen bzw. Fächer als ausgesprochen interessant; eine Tatsache, die entscheidend zu meiner Selbstmotivation zur Bewältigung der Stoffmenge und zur Überzeugung die richtige Studienrichtung gewählt zu haben, beiträgt.

Eingang der Reptilineklinik der LMU München

Im Zoologiegebäude entspanne ich mich vor und zwischen der Vorlesung meist an einer recht umfangreichen Terrarien- und Aquariensammlung im Vorraum.
Da auch die bekannte Tierklinik für Fische, Amphibien und Reptilien hier untergebracht ist, an der unsere Zoologieprofessoren praktisch tätig sind, wandert so mancher Terrarienbewohner schon mal als Anschauungsmaterial in die Vorlesung. Auch für Zoologie werden praktische Übungen gehalten.

Natürlich gibt es noch viel mehr Fächer, von denen ich berichten könnte, aber damit sollte es erst mal gewesen sein.
Wichtig für einen typischen Unitag ist noch der Versuch in viel zu seltenen Frei- bzw. Zwischenstunden etwas zu lernen. Will ich dies im Fach Anatomie tun, bewege ich mich zur Anatomiesammlung. Dieser Raum hat gleich mehrere Vorteile, die man nutzen kann, so denn nicht, wie häufig in Freistunden und vor Testaten, alle Sitzgelegenheiten belegt sind.
Hier gibt es anatomisches Anschauungsmaterial in Form von Skeletten, Präparaten und Modellen. Nicht nur die gängigen Haustierrassen, sondern auch bengalischer Tiger und Rattenkänguru sind vertreten. Meist bin ich aber mindestens eine Viertelstunde am Umherlaufen, bis ich ein ruhiges Plätzen gefunden habe und komme selten mit dem Lernen gut voran.
Ist es warm genug, um draußen zu sitzen, erleichtert einem das die ganze Sache natürlich unheimlich.

Bahnhofshalle Münchner Hauptbahnhof

Im Zeitraum von 16:00 Uhr bis 17:40 Uhr renne ich dann wieder zur U-Bahn. Keuchend steige ich in das jetzt halbvolle U-Bahn-Abteil ein. In der U-Bahn suche ich nach einem passenden Zug in meinem kleinen Fahrplan.
Der letzte Sprint erwartet mich nach dem U-Bahn-Wechsel quer durch den Münchner Hauptbahnhof zu meinem Gleis. Oft in der letzten Minute steige ich ein und verbringe die halbe Fahrt nach Augsburg damit mich auszuruhen.
Eher selten kann ich mich dann doch dazu aufraffen im Zug zu lernen. Nachdem ich in Augsburg umgestiegen bin, komme ich mit dem Zug häufig erst um 19:30 Uhr zuhause an.

Die 7 Minuten vom Bahnhof bis nach Hause fallen dann kaum ins Gewicht. So spät bleibt nur Zeit zum Abendessen, evtl. noch etwas für die Uni auszudrucken oder ein kleines Kapitel zu lernen, meinen Rucksack zu packen, E-Mails abzuholen sowie sich bettfertig zu machen.
Immerhin muss ich am nächste Tag wieder recht früh aufstehen.

Vorteilhafter Weise beginnt im 1. Semester das Wochenende schon mit dem Freitag, an dem keine Vorlesungen stattfinden.
Wie vielleicht schon zu erahnen ist, komme ich normaler Weise erst am Wochenende dazu, so richtig lange und effektiv zu lernen. Die Wochenenden verbringe ich also großteils in meinem Zimmer oder bei warmen Wetter auf dem Balkon. Dort sorgt die gesteigerte Sauerstoffzufuhr für ein noch konzentrierteres Lernen ;) Mehr als vor dem Abitur habe ich nun keine Zeit mehr.
So muss ich lernen umzudenken und mir bewusst Zeit zu nehmen, anstatt immer wieder aus reiner Energielosigkeit ungeplante Pausen einzulegen, die wenig entspannend sind, da mich mein schlechtes Gewissen plagt.

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